Bikepacking München – Berlin

Ausgangssituation und Tourstart

Vom 26.07 – 7.08.14 absolvierten wir mit rund 1000km und 12 Reisetagen unsere bisher längste und weiteste Bikepacking Tour.

Das Ziel war es entfernte Freunde, Bekannte und Familie in Deutschland zu besuchen und davon möglichst viel und in möglichst kurzer Zeit. Um das ganze noch etwas spektakulärer zu machen haben wir im Sinne unserer sportlichen Attitüde das ganze in eine Fahrradtour verpackt und somit das Pflegen sozialer Kontakte mit einer sportlichen Herausforderung gekoppelt.

Den ersten Tag (Samstag) verbrachten wir fast ausschließlich mit der Anreise um von Berlin nach München mit dem Zug zu gelangen. Da wir uns aus Kostengründen für ein Schönes Wochenende-Ticket (44€) und 2x Fahrradticket (je 9€) entschieden haben, waren wir knapp 10 Stunden mit unterschiedlichen Regionalzügen unterwegs und kamen erst gegen 23Uhr in München an. An diesem Abend haben wir lediglich eine kurze Runde durch die Stadt gedreht, etwas zu Abend gegessen und uns dann an einem 10km entfernten See nördlich von München für die erste Nacht niedergelassen.

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Der See war morgens recht gut besucht, gerade von Radfahrern die sich eine kurze Abkühlung gönnen wollten.

Besonders versteckt haben wir offensichtlich nicht gecampt, es schien sich aber niemand daran zu stören. Generell haben wir sehr gute Erfahrungen mit dem Nächtigen an hochfrequentierten Plätzen gemacht und die Leute zeigen sich eher interessiert als gestört.

In den darauffolgenden Tagen, passierten wir Ingolstadt, Nürnberg, Römhild, Meiningen, Schnepfenthal und Gotha.

Ich habe im Vorfeld Radrouten rausgesucht die mehr oder weniger auf unserer Strecke liegen, sodass wir diese größtenteils nutzen konnten, ab und an mussten wir aber auch strikt nach Navi/Smartphone fahren. Die App Forever-Map hat sich dafür sehr gut gemacht. Mein Iphone hatte ich in einer Wasserdichten Tasche am Lenker, sodass ich jederzeit Zugriff auf die Karte hatte.

Auf der zuvor erwähnten Strecke haben wir wie geplant einige Freunde und Familienmitglieder besucht und sogar neue Bekanntschaften gemacht. Viele Leute zeigten sich sehr aufgeschlossen für unser Vorhaben und waren durchweg sehr Hilfsbereit.

In Schnepfenthal wurden wir von einer Familie, deren Grundstück an die Grünfläche auf der wir gezeltet hatten angrenzte, sogar zum Frühstück eingeladen und kamen in den genuss einer Dusche. Vielen Dank nochmal.

Von Gotha aus ging es erstmal eine Weile nach Osten. Die folgenden Tage passierten wir die Radwege der Thüringer Städtekette (Gotha – Erfuhrt – Weimar – Jena – Gera).

Der Fund

In Erfuhrt fanden wir plötzlich ein Portmonaie mit knapp 300€ und diversen Karten. Wir haben eine Weile darüber nachgedacht was wir damit anstellen, da wir uns letztendlich nicht viel aus Geld machen, und lieber Leute kennenlernen haben wir kurzerhand beschlossen das Portmonaie zurückzubringen, da die Besitzerin und Familie in einem 15km entfernten dorf leben.

Es war ein kleiner Umweg, doch letztendlich die spannendste Entscheidung und eine Art soziales Experiment um zu schauen wie die Besitzer in so einem Fall reagieren. Alles war möglich: nur ein müdes „danke“ oder vielleicht eine  „Übernachtungsmöglichkeit und neue Bekanntschaften“?. Lassen wir uns überraschen, dachten wir uns und nahmen die Strecke in Angriff – den Umweg in kauf.

Als wir gegen Abend dort ankamen trat zunächst das Worst-Case Szenario ein: niemand zuhause. Darauf hin haben wir uns bei der Nachbarin erkundigt, welche und freundlicherweise durch das Dorf führte, wo wir letztendlich auf eine gesellige Runde stießen, an der auch die Familie teilnahm. So konnten wir das Portmonaie übergeben, die Reaktion war letztendlich nicht mehr als ein Danke und 50€ Finderlohn und von keinerlei sozialem Interesse geprägt und kam uns wenig wertschätzend vor, zumal es ein riesiger Aufwand gewesen wäre alle Karten nachmachen zu lassen.

Nachdem wir uns von der Runde wieder verabschiedet hatten und mit der Nachbarin zurück zu unseren Fahrrädern gingen, merkte man ihr ein leichtes Fremdschämen für die Reaktion ihrer Nachbarn an. Als wir uns gerade verabschieden wollten, entschied sie sich spontan dazu uns auf ihr Grundstück einzuladen, da sie unser Engagement offensichtlich mehr schätzte als ihre Nachbarn. So hatten wir die Möglichkeit im Garten unsere Zelte aufzustellen, zu duschen und wurden darüber hinaus am nächsten Morgen mit einem Frühstück belohnt. Das war letztendlich eines der besten Szenarios was uns passieren konnte und eine nette neue Bekanntschaft zugleich.

Erfahrungen und Erlebnisse kann man eben nicht kaufen.

Weiterer Tourverlauf und Résumé

Ab Chemnitz wo wir zuvor übernachtet und noch bei einem Freund im Garten gegrillt hatten sind wir dann wieder gen Norden gefahren. Den letzten Besuch statteten wir in Mutzscheroda nahe Wechselburg ab, wo wir auf einem Gehöft von Bekannten noch einen Ruhetag einlegten.

Dadurch war es uns möglich die Reststrecke an einem Tag zu schaffen, das waren immerhin 210 Km, die sich durch das mittlerweile flache Terrain gut bewälltigen ließen, dennoch machten wir relativ großzügige und kalorienreiche Pausen um genug Energie aufbringen zu können. An diesem Tag waren wir 15 Stunden unterwegs um dann wieder in der ersehnten Mutterstadt einzureiten. Das ganze haben wir dann anschließend noch mit einem kühlen Bier und einer kleinen Mahlzeit abgeschlossen und reflektiert.

Ich muss sagen, dass es eine meiner besten Touren war, und das Konzept des Bikepackings mich vollkommen überzeugt hat. Man hat eine enorme Reichweite und dadurch die Möglichkeit in kurzer Zeit unheimlich viele Impressionen und Erfahrungen zu sammeln, ist dementsprechend flexibel und wie in diesem Fall in der Lage von Mikrokosmus zu Mikrokosmus zu springen, in der Natur sowie in Zivilisation zu sein.

Man nimmt einfach aus jeder Region etwas mit, erfährt neues, lässt sich von vergangenem erzählen und teilt visuelle Erlebnisse – einfach ein geniales Konglomerat an Perspektiven.

Ich empfehle jedem sowas mindestens einmal im Leben zu machen.

Ich habe die weiteren Bilder als Collagen angeordnet um es übersichtlicher zu halten, und die Bilder zusammengestellt die die Tour am besten reflektieren.

Bike and Gear

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Was soll man dazu noch sagen – das effizienteste Fortbewegungsmittel auf diesem Planeten.

Zur Technik: eine Pedale hat versagt, musste ich in Chemnitz austauschen. Ab da hat dann auch die Verriegelung für die Federgabel ausgesetzt und ich musste sie die letzten 2 Tage offen fahren. Um sowas zu vermeiden besorge ich mir gerade eine Starrgabel, vorher habe ich sie auch nur selten offen gefahren, daher zeigt sich mir der Bedarf bei Crosscountry-Touren einfach nicht.

Landschaft

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Viel kräftezehrendes Bergland, dafür atemberaubende Ausblicke und spektakuläre Abfahrten.

Versorgung

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Gegessen wurde natürlich reichlich, den ganzen Tag Fahrrad zu fahren, gerade im Bergland steigert den Kalorienbedarf um mind. 1000 Kcal wenn nicht sogar mehr. Die letzten Bilder der Collage sind von einem Gehöft von Bekannten bei denen wir ebenfalls übernachtet hatten, dort konnten wir uns eine Mahlzeit komplett aus Garten und Stall zusammenstellen, die Gelegenheit hat man auch nicht alle Tage.

Das einzige an Nahrung was wir dabei hatten waren unsere Müsligerichte (Ziplock mit Müsli und Milchpulver abgewogen), da wir sie in dieser Form nirgens beziehen konnten. In den Städten haben wir uns regelmäßig mit Energieriegeln eingedeckt und wie man sieht auch gut gespeist.

Luxus

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Ein bisschen Luxus – nicht erkauft, aber verdient.

Städte und Kultur

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Auf unserer Reise haben wir natürlich auch viele große wie auch kleine Städte und Dörfer passiert. Durch Erzählungen und Impressionen haben wir von überall ein Stück mitgenommen.

Camping

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Eben soviele Nächte wie wir in luxuriösen Betten verbracht haben, haben wir auch zeltend in der Natur oder sogar in der Stadt verbracht. Meistens findet sich ein geeigneter Schlafplatz schon nach kurzer Zeit wenn man mit dem Navi/Smartphone das Terrain in Stadtnähe etwas begutachtet. In Seenähe zu nächtigen bietet sich natürlich besonders an, da man durch das viele Fahren eigentlich fast jeden Tag eine Komplettwäsche nötig hat. Wenn man keine Spuren hinterlässt, also seinen Müll wieder mitnimmt und die Lagerstätte dementsprechend sauber aussieht, stört sich da auch niemand dran und man wird freundlich gegrüßt und kommt oft ins Gespräch.

 Ausrüstung

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Einen unserer Ruhetage habe ich genutzt um meine Ausrüstung zu dokumentieren, eine komplette Packliste mit Gewichtsangaben werde ich in einem separaten Beitrag nochmal im Detail vorstellen.

Hier gehts zur Packliste.

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